Wer kennt es nicht, dieses legendäre Werbevideo, das Anfang / Mitte der achtziger Jahre besonders bei MTV tagein teigaus rauf und runterlief und bald Kultstatus erzielte?
Eingefleiscten Anzugträgern wird dieser Bandname sicher nichts sagen, aber mit der Musik mit der die damalige Levis-Werbung unterlegt wurde, wurde die schottische Band STILTSKIN mit einem Schlag weltberühmt. Anfang der 1990er Jahre hatte sich die Band den Sänger Ray Wilson ins Boot geholt und ihr Debutalbum "The Mind's eye" 1994 veröffentlicht. Ein kurzer, durchschlagender Erfolg, anschliessend wurde es wieder still um STILTSKIN. Ray Wilson übernahm dann 1996 das Mikrofon bei GENESIS an Stelle des ausscheidenden Phil Collins, zusammen mit Genesis veröffentlichte er 1997 "Calling all stations", bis Ray Wilson sich 1999 wieder davon machte und mit der Band "Cut" das Album "Millionairshead" veröffentlichte.
Es folgte eine Solokarriere Anfang des neuen Jahrtausends und im April 2006 kam es zu einer Reunion mit Stilskin, dieses Mal unter dem Namen Ray Wilson & Stiltskin, die das Album "SHE" herausbrachten. Von der alten Stilskinbesetzung ist aber nur noch Ray Wilson übrig geblieben.
Als ich heute morgen erwacht bin wurde ich von einem Gedanken begleitet, der mir seit mehr als 31 Jahren schon so vertraut ist: ich habe wie fast jeden Morgen wieder einmal an Dich gedacht. Ein Gedanke und eine Vorstellung, die mir in all den Jahren so vertraut und lieb geworden ist, dass ich nun mittlerweile nicht mehr darauf verzichten möchte.
Ich sah Dein volles, verwurschteltes Haar neben mir auf dem Kissen liegen, sah wie sich Deine Brust in ruhigem Rhythmus unter der dünnen Decke hob und wieder senkte und lauschte gebannt Deinen stillen Atemzügen. Der Sonnenstrahl, der sich auf Deinem GEsicht verirrte und Dich unter Deiner Nase kitzelte rief dieses kurze Zucken in Deinen Augenwinkeln hervor, der - wie jeden Morgen - in Deinem Stirnrunzeln endet und dafür sorgt, dass Du Dich kurze Zeit später neben mir unter der Decke streckst, sodass Deine Zehen mich an meinen Füssen kitzeln. Als Du Dich auf die Seite legtest, mit Deinen Armen meinen Rumpf umklammerste spürte ich Deinen warmen Atem durch den dünnen Stoff meines T-Shirts hindurch. Ein warmer Schauer durchfuhr mich und rann meinen Rücken hinunter.
Du schlugtest Deine Augen auf und Dein Blick berührte meinen, wie die zärtliche Berührung Deiner Hand an meinem Schenkel, oder wie jene mir in den Nacken gehauchte Kuss. Die Sonne funkelte am Rand Deiner Pupille, die Fältchen in Deinen Augenwinkeln liessen keinen Schluss zu, ob sie vom Lächeln Deiner Augen oder vom Schutzreflex vor der plötzlichen Helligkeit des Morgens herrührten. Sicher hing das jedoch mit dem Lächeln zusammen, denn Bruchteile einer Sekunde später blitzten Deine weissen Zähne hinter den roten, vollen Lippen Deines morgendlichen Strahlens hervor.
Wie gerne hätte ich diesen Moment noch hinausgezögert, doch Dein Aktionismus trieb Dich geradezu aus unserem Nachtlager. Den Geruch Deiner Haut, den Duft Deiner vollen Haar, wie könnte ich dies nur je vergessen?! Die dünne Decke streift über meinen nackten Oberarm, als Du über mich hinweg aus dem Bett steigst, behutsam, fast tänzerisch Deine blossen Füsse einen vor den anderen auf dem Holzfussboden aufsetzt und dem Sonnenstrahl, der durch das Fenster drängt folgst, wie mein Blick Deinen schlanken Schenkeln hinauf über diesen unglaublichen, straffen Po und weiter den definierten Rücken folgt. In Gedanken sehe ich Dich zurückkommen, die Schatten Deiner Knospen der blanken Brust wirken im Sonnenlicht viel grösser ....
... mein Telefon neben meinem Bett. Es klingelt. "Ja...?!" verusche ich so verschlafen wie möglich in den Hörer hineinzuhauchen, um dem Anrufer ein möglichst schlechtes Gewissen zu bereiten und eine Ahnung von meinem Traum durch die Leitung zu vermitteln. "Herr Dr. Stoertebeker, da ist jemand mit hohem Fieber, geschwollenem Knie nach Kreuzband-OP vor einigen Tagen. Könnten Sie sich den noch anschauen?!"
"Ja, ich komme ...!" schnaufe ich in den Hörer zurück.
Viel Zeit ist in den vergangenen Wochen viel zu schnell vorübergegangen, Zeit, die ich sicher sehr intensiv gelebt und erlebt habe. Andere Schwerpunkte als früher, ich arbeite viel und oft, Wochenenden - wenn sie frei sind - verbummle ich gerne im süssen Nichtstun oder mit weinigen Sonnenstunden in den Bergen. Manchmal, wenn so der eine oder andere Abend in meiner schönen Wohnung hier unten am See langsam an mir vorüberzieht, denke ich, dass ich ganz schön asozial lebe. Asozial im Sinne von beschränkten oder nicht-vorhandenen sozialen Kontakten.
Ich beklage mich aber darüber nicht, zu Hause lese ich eben viel, denke über mich und meinen Weg, der vor mir liegen kann nach und geniesse im Augenblick die Stunden, in denen ich allein sein kann und mal niemand eine Entscheidung oder sonst etwas von mir will. Aber irgendetwas hat sich verändert in den letzten Wochen: es ist länger hell, es ist Frühling und allmählich habe ich das Alleinsein satt. Wird Zeit sich wieder einmal neu zu verlieben.
Ich bin resistent und zwar vehement! Gegen Werbung und scheinbarer Information die den Verbraucher dazu bewegen sll das eine oder das andere Produkt zu konsumieren. Viel mehr habe ich den vergangenen Jahren eine gewisse Abneigung und Konsumentscheidungshilfe dahingehend entwickelt, Produkte die mir zu aggressiv vors Auge und unter die Nase geworben werden vollständig und ganz zu meiden und aus meinen Einkaufslisten zu streichen.
Wie, dann kannste ja fast gar nix mehr kaufen?! Doch, sicher finden sich auch bei mir gewisse Markenprodukte, die aber aus einer ganz eigenen Geschichte heraus den Weg in meinen Einkaufskorb gefunden haben und: meistens steckt eine Frau dahinter!
Zum Beispiel die Frühstücksflocken, die ich seit einigen Jahren wahrscheinlich mittlerweile tonnenweise in mich geschlungen habe wurden einst von meinem blonden Nordlicht auf den Küchentisch gestellt, das Bier das ich sicher in Hektolitern bereits in mich hineingegossen habe wurde während eines Urlaubes an der See von meinem Racheengel eingeführt, die Kaugummis die ich zahlenmässig irgendwo an der Weltpopulationsgrenze zerbissen habe, kaue ich, weil eine Zerflossene vor dem Sex auf Kaugummigeruch stand, das Haargel, das ich mir jeden morgen in die Haare schmiere wurde mir einst von jener Frau zugesteckt, die ich bis heute sehr vermisse und die anfangs ein scheinbar unauffüllbares Loch in mein Beziehungsgefüge gerissen hatte, die Nussnougatcreme beruht auf einem frühsommerlichen Frühstück im Elsaß mit meiner ersten festen Freundin nach einer Nacht mit sehr wenig Schlaf und selbst die Unterwäsche die ich trage, hat ihre ganz eigene und nicht durch Werbung steuerbare oder beeinflussbare Geschichte.
Aber ich lasse mich in meinen Entscheidungen sicher nicht von irgendwelcher Werbung beeinflussen, also ihr Produktmanager und Werbefachleute: haltet Euch von meinem Briefkasten fern, bleibt mir aus den Ohren und aus dem Sichtfeld, ich bin unbeeinflussbar!